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Lasst die Igel draußen und füttert sie dort

Herbstzeit ist Igelzeit – und damit leider auch die Zeit der falsch verstandenen Tierliebe. Jedes Jahr nimmt das Tierheim Süderstraße des Hamburger Tierschutzvereins (HTV) 300 bis 450 Igel auf, hauptsächlich im letzten Jahresviertel. Viele Tiere sind dabei jedoch gar nicht hilfebedürftig.

Nicht alle Igel bauchen Überwinterungshilfe – im Gegenteil: „Igel, die den ganzen Winter versorgt und gepflegt wurden, haben es im kommenden Frühjahr schwerer, sich in einem neuen und fremden Revier zurechtzufinden – und sich gegen Artgenossen durchzusetzen“, erläutert HTV-Pressesprecher und Diplom-Biologe Sven Fraaß. Er betont: „Der Igel ist ein Wildtier und sollte nach Möglichkeit in der Natur bleiben!“Die erwachsenen männlichen Igel ziehen sich je nach Witterung Anfang bis Ende Oktober in ihr Winterquartier zurück. Zurzeit sind aber noch die Spätgeborenen auf Nahrungssuche, um sich eine ausreichend dicke Fettschicht für ihren Winterschlaf zuzulegen. Diese Zeit können sich die stacheligen Gesellen aufgrund der für Mitte November noch milden Temperaturen auch nehmen.Seit Jahresbeginn hat das Tierheim Süderstraße bereits 373 Igel aufgenommen. Derzeit befinden sich 94 Vertreter dieser geschützten Art in der Obhut des HTV (Stand 19. November 2019).

Wann sollte man einen Igel in Obhut nehmen? Erst nach genauer und gewissenhafter Beobachtung darf ein Igel in menschliche Obhut genommen werden. Auf jeden Fall sollte er tierärztlich untersucht werden. Auch im Tierheim Süderstraße wird jeder Neuankömmling tierärztlich untersucht und bei Bedarf fortlaufend behandelt. Die Aufnahme eines Igels ist nach dem Naturschutzgesetz nur in bestimmten Ausnahmen gestattet:

  1. Der Igel ist verletzt oder krank

Oft deuten schon Fundorte und -umstände wie Straßen oder Baustellen auf Verletzungen hin. Kranke Igel erkennt man daran, dass sie tagsüber herumliegen, mager sind (mit einer sogenannten Nackenfalte / Einbuchtung am Hinterkopf) und sich apathisch verhalten. Starker Parasitenbefall mit Zecken und Flöhen sind ebenfalls Grund zur Sorge, Fliegeneier oder bereits geschlüpfte Maden ein Alarmsignal zur sofortigen Hilfe.

  1. Der Igel ist jung und verwaist

Igeljunge, die sich tagsüber außerhalb ihres Nests befinden, noch geschlossene Augen haben und sich womöglich kühl anfühlen, benötigen dringend Hilfe. Doch aufgepasst: Sie sollten nicht mit älteren Jungigeln verwechselt werden, die auch tagsüber nach Nahrung suchen. Diese sind selbstständig lauffähig, haben die Augen geöffnet und bereits ein vollständiges Fell- und Stachelkleid entwickelt.

  1. Der Igel läuft bei Dauerfrost oder Schnee herum

Auch solche Igel findet man hauptsächlich bei Tage. Es kann sich um kranke oder schwache Alttiere handeln. Oft sind es auch Jungtiere, die zu spät geboren wurden, um sich ein für den Winterschlaf ausreichendes Fettpolster anzuessen. Dabei sind Gewichtsangaben von den Wetterprognosen und nicht ausschließlich vom Kalender abhängig zu machen. Je nach Zeitpunkt des Wintereinbruchs und der Zeitspanne dieser für Igel widrigen Umweltbedingungen ist ein Gewicht von mindestens 500 Gramm für die Überwinterung nötig.

In der Regel ist mit einer geschlossenen Schneedecke oder Dauerfrost erst ab Dezember zu rechnen. Wer also dieser Tage einen Igel draußen sieht, sollte ihn erst einmal beobachten und nicht gleich in menschliche Obhut nehmen. Da viele Gärten und Parks zu „aufgeräumt“ und damit arm an Insekten und ähnlicher Kost sind, ist die regelmäßige artgemäße Zufütterung bei Jungigeln die sinnvollste Maßnahme. Dabei ist unbedingt auf Milch und rohe Eier zu verzichten, stattdessen eignen sich Katzendosenfutter mit kleinen Portionen Igelmüsli aus Haferflocken oder Weizenkleie mit Insektenschrot und Wasser als Igel-Buffet, Avocados helfen bei der schnellen Gewichtszunahme.

Wer noch mehr für Igel tun möchte, hilft ihnen dort beim Überwintern, wo sie zu Hause sind – draußen in der Natur. Laub- oder Steinhaufen im Garten sind ideal: Igel verkriechen sich darin und verbringen den Winter unter der schützenden Laubschicht. Auch alte Baumstümpfe, Hecken oder Holzstapel sind geeignete Igelverstecke. Ein naturnaher Garten hilft den Tieren – die (maßvollen) Aufräumarbeiten können getrost bis zum nächsten Frühjahr warten.

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